• Kairos Totenstadt – Heimat für die Lebenden

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    Die Totenstadt in Kairo ist einmalig in der gesamten islamischen Welt. Die Stadt der Toten liegt im Osten der Millionenmetropole, am Fuße des Berges Moqattam und beheimatet rund 300.000 Menschen. Die Einwohner nennen dieses Viertel „al Quarafa“ – der Friedhof. Es handelt sich dabei um informelle Siedlungen auf dem teilweise historischen Friedhof.

    Nördliche und südliche Totenstadt

    Man unterscheidet zwei Teile der Totenstadt in Kairo. Im Süden der Zitadelle und östlich der Ibn Tulun Mosche erstreckt sich bis zum Stadtteil Maadi die südliche Totenstadt. Dies ist die größere Nekropole, welche auch die ältesten Grabstätten von der Zeit um 959 n.Chr. Aufweist. Hier befinden sich Monumente aus den Epochen der Ichschididen, Fatimiden, Ayubiden, Mameluken, Osmanen und der Mohamed-Ali-Dynastie. Zwischen Zitadelle und Salah-Salim-Straße befindet sich die nördliche Totenstadt. In diesem Teil des Friedhofs befinden sich fünf Mausoleen von Sultanen und mehrere Monumente aus den Epochen der Mameluken, Osmanen und der Mohamed-Ali-Dynastie.

    Bei einer islamischen Beerdigung werden die Toten normalerweise direkt in der Erde vergraben. Speziell in Kairo hat es sich bis heute gehalten, dass den Verstorbenen Häuser gebaut werden. Es ist ein Überbleibsel des pharaonischen Totenkults.

    Bekannte und sehenswerte Mausoleen in der Totenstadt

    Aus allen islamischen Zeitepochen sind Bauwerke zu finden. So ist der Friedhof ein eindrucksvoller Zeitzeuge der ägyptischen und islamischen Geschichte. Schon Mameluken und Osmanen haben ihre Toten an dieser Stelle begraben. Damals befand sich der Friedhof noch fernab der Stadt in der Wüste. Die Größe und Pracht eines Grabes wurde durch die Bedeutung des Menschen zu Lebzeiten bestimmt. Viele der historischen Grabbauten sind bis heute erhalten und können besichtigt werden.

    Besucher sollten allerdings Vorsicht walten lassen und die Seitengassen des Friedhofs meiden. Einige der Bauwerke auf dem Kairoer Friedhof zählen zu den herausragendsten Bauwerken der islamischen Welt. Auf dem nördlichen Friedhof stehen die schönsten Monumente. Dazu zählt beispielsweise die Moschee des Mameluken-Herrschers Qaitbey. Sie ist im Inneren prächtig verziert und dekoriert. Die Kuppel ist aufwändig gestaltet und gilt als die schönste Moscheenkuppel überhaupt.

    Im Osten der Friedhofsstadt befinden sich weitere Gräber tscherkessischer Mameluken. Barkur, El Ashraf Inal, Abu Said Kunsua und El Ashraf Barsbay waren wie Qaitbey Sultane, die hier begraben liegen. Darüber hinaus gibt es 21 Grabmäler von Prinzen und Prinzessinnen und noch neun Moscheen. Spelterini Cairo 1

    Die Lebenden in der Totenstadt

    Für Besucher mag es befremdlich und gruselig klingen, dass Menschen auf dem Friedhofsgelände wohnen. Dennoch ist die Stadt der Toten seit mehreren Jahrzehnten die Heimat vieler Ägypter geworden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts bevölkern arme Kairoer Bewohner dieses „Slum“, welches sogar an Wasser- und Stromnetz der Stadt angeschlossen ist.

    Die Menschen leben an diesem Ort dicht an dicht. Sie haben sich inzwischen historischer Moscheen, Minaretten, Schutthaufen und Lehmhütten eine Heimat geschaffen. Wie auch andernorts in Kairo rauchen die Männer hier gemütlich Wasserpfeife, spielen Domino und trinken Tee. In den 1920er Jahren begann die unerlaubte Besetzung des Friedhofs. Entstanden ist die Totenstadt im heutigen Ausmaß seit dem Krieg mit Israel 1967. Schon viel früher besiedelten ein paar wenige die Grabhäuser, doch mit der Landflucht während des Krieges, kamen viele Menschen, die auf dem Friedhof Obdach fanden. Wer die Gräber besucht, wird sich inmitten einer funktionierenden Stadt wiederfinden.

    Zwischen Gräbern und Moschee sieht man Satellitenschüsseln, Wäscheleinen, Läden, Marktstände, Werkstätten und Wohnhäuser. Freitags findet auf dem Friedhof von Al Imam al Shafi ein illegaler aber sehr lebhafter Markt statt.