• Kann die Generation Facebook etwas gegen sexuelle Belästigung in Ägypten bewirken?

    FrauenEs geht nur sehr langsam voran, aber offenbar tut sich endlich etwas. Die Generation Facebook hilft, die Situation der Frauen zu verbessern. Sexuelle Belästigung in Ägypten wurde bislang stillschweigend hingenommen, akzeptiert und sehr oft wurde den Frauen vorgeworfen, selbst Schuld zu sein.

    Sexuelle Belästigung ist in Ägypten ein Alltagsphänomen. Es gibt kaum eine Frau, die noch keine Erfahrung damit machen musste. Die Belästigungen reichen von verbalen Formen bis hin zu körperlichen. Eine öffentliche Meinung gab es dazu lange Zeit nicht. Die Medien hielten sich zurück und sexuelle Belästigung wurde verharmlost. Jungs seien Jungs und es wäre normal, wenn sie Mädchen gegen ihren Willen anfassen und umarmen. Dies nahm im Laufe der Zeit solche Auswüchse an, dass man von einem sozialen Krebsgeschwür sprechen kann. Mittlerweile wachen aber auch die Medien auf und benennen das ungeliebte Kind beim Namen: „Belästigung“- Arabisch „Taharrush“. Der ägyptische Film „Kairo 678“ hilft seit 2010 dabei, das Thema der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Im Film geht es um drei Frauen unterschiedlicher sozialer Schichten. Jede hat leidvolle Erfahrung mit sexueller Belästigung machen müssen und hat eine andere Art, damit umzugehen.

    Bewusstsein für das Problem erwacht

    Auch dieses Jahr konnten am Eid-Fest nach Ramadan vermehrt Übergriffe beobachtet werden. Anders als die Jahre zuvor wurden viele der Vorfälle gefilmt und fotografiert. Über Facebook und Youtube verbreiteten sich die Bilder wie ein Lauffeuer. Auch deswegen erwacht ein neues Bewusstsein für das Problem. In zahlreichen Diskussionen ist erkennbar, dass ein Umdenken stattgefunden hat. Es wird nicht mehr angenommen, dass die Frauen das Verhalten der Männer provozieren oder sogar erwünschen würden. Man verteidigt die Übergriffe auch nicht mehr mit der Tatsache, dass die Männer es sich nicht leisten könnten zu heiraten.

    Viele der belästigten Frauen tragen Hijab (Kopftuch) oder traditionelle Abayas. Das Problem kann also nicht auf die Kleidung und die damit angenommenen Signale reduziert werden. Viele der Frauen haben berichtet, dass die Belästiger der ärmeren Schicht der Gesellschaft angehören. Daraus resultiert eine Debatte über Ungleichheit und Armut. Das Phänomen der sexuellen Belästigung in Ägypten wird von manchen deshalb weiterhin so erklärt: Die armen Männer sind wütend ob der Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Ihr Verhalten den vermeintlich schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber ist daher ein Ventil. Manche sprechen gar von Hass und Neid den Frauen höherer Schichten gegenüber. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn Frauen der ärmeren Schichten sind gleichermaßen betroffen. In öffentlichen Verkehrsmitteln sind sie teilweise täglich sexueller Belästigung ausgesetzt. Das ist jenen erspart, die sich ein eigenes Auto leisten können.

    Mangelhafte Strafen

    Die Täter werden kaum durch Strafen abgeschreckt. Mittlerweile gibt es aber viele Arbeitgeber und Unternehmen, welche die Angelegenheiten in die eigenen Hände genommen haben. Drücken viele Polizisten in der Öffentlichkeit ein Auge zu, so haben Angestellte von Schulen, Banken und Hotels mit sofortigen Konsequenzen zu rechnen.
    Leider wird sexuelle Belästigung in Ägypten aber auch von jenen unterstützt, die sich selbst zwar nicht daran beteiligen, aber die Opfer einer Mitschuld bezichtigen. Mangelnde Strafe ist ein Verstärker, soziale Toleranz ist aber leider immer noch die Ursache.

    Bleibt zu hoffen, dass die entsprechenden Facebook-Gruppen und Bewegungen bald noch größere Erfolge erzielen. Immerhin beginnt gerade ein Wandel im Denken der Menschen. Filme wie 678 und die Sozialen Netzwerke sind in diesem Prozess wichtig und helfen einer neuen Generation von Ägyptern, in kleinen Schritten individuelle Freiheit und die Rechte der Frauen positiv zu beeinflussen. In Ägypten erleben wir einen zarten Beginn einer Verschiebung der allgemeinen Haltung und den Bruch mit der patriarchalischen Haltung von vorgestern.

    Quelle: http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/sep/05/egypt-sexual-harassment?fb=optOut
    http://harassmap.org/