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Der Ägyptenblog

Posts Tagged ‘Fastenmonat’

  • Bald ist wieder Ramadan in Ägypten

    (by)MM

    Der Countdown läuft, es dauert nur noch knapp einen Monat. Voraussichtlich vom 20. Juli bis 19. August findet im Jahr 2012 auch in Ägypten Ramadan statt. Schon jetzt ist bei den meisten Ägyptern die Vorfreude groß, denn Ramadan bedeutet, sich vermehrt auf seine Religion zu besinnen, zu teilen, Familie zu treffen, schätzen zu lernen, was man hat und nicht zuletzt: gutes Essen.

    Grundlegendes zum Ramadan

    Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf wichtigen Säulen des Islam. Täglich ab Morgendämmerung beginnt der Fastentag. Dann müssen Muslime auf Trinken, Essen, Zigaretten und Geschlechtsverkehr verzichten, bis die Sonne untergeht.
    Kinder fasten freiwillig je nach Alter. Ab Geschlechtsreife ist es dann aber auch für sie Pflicht.
    Wer krank ist, zu schwach oder sich auf einer Reise befindet, der muss nicht fasten. Frauen, die ihre Regel haben, schwanger sind oder im Wochenbett, sind ebenfalls befreit. Später müssen die verpassten Tage wieder nachgeholt werden- spätestens aber, bevor der nächste Ramadan beginnt.

    Ägyptische Genüsse an Ramadan

    Es wird der sechste Ramadan sein, den ich in Ägypten erlebe. Entgegen der westlichen Vorstellung, dass an diesen Abenden besonders viel gegessen und verschwenderisch mit Lebensmitteln umgegangen wird, habe ich eigentlich etwas anderes erlebt. Ich kenne es so, dass die normale Hauptmahlzeit auf die Zeit nach „Maghreb“ verlegt wird. Nach dem Fasten ist man kaum in der Lage, viel zu essen. Es bleibt also im normalen Rahmen, nur dass es eine Art Kompott oder Datteln zum Fastenbrechen gibt. Manche ägyptische Hausfrau neigt vielleicht dazu, ihren Gästen oder auch an den ersten Ramadantagen besonders viele Speisen aufzutragen. Aber was übrig bleibt, wird am nächsten Tag gegessen oder an ärmere Bekannte verteilt. Es verkommt also nichts.

    Als Vorspeise gibt es Datteln und in Wasser oder Milch eingelegte Trockenfrüchte. Besonders wichtig sind die verschiedenen Säfte, die eine ägyptische Hausfrau im Ramadan serviert: zum Beispiel „Tamarind“, „Karkadee“, Fruchtsäfte oder Aprikosensaft.
    Als Hauptspeise gibt es Fleisch, Fisch oder Hähnchen und dazu meistens Reis und Brot. Als Gemüsebeilage wird gerne „Bsilla“ (Erbsen mit Möhren und Kartoffeln in Tomatensoße), „Bamya“ (Okra) oder „Molokhaya“ gegessen. Es gibt köstliche gefüllte Zucchini, Auberginen, Paprika und Kohlblätter, genannt „Mahshi“ und in vielen Familien gibt es mindestens einmal im Ramadan gefüllte Tauben.

    Was in Ägypten zu Ramadan niemals fehlen darf, sind die Desserts, die gerne spätnachts noch gegessen werden. Da gibt es sehr süßes „Goulash“, „Kunafa“, „Ata’if“ und Basboussa, aber auch Pudding, Wackelpudding, „Malabaya“ und einfache Kuchen sind sehr beliebt. Viele Desserts enthalten Nüsse, die sonst unterm Jahr eher selten gekauft werden.

    Ägyptisches Abendprogramm im Ramadan

    Nach dem Fastenbrechen gehen die meisten Männer und viele Frauen in die Moschee, um in einer großen Gemeinschaft das „Tarawi-Gebet“ zu beten. Im Ramadan sind die Moscheen zu den Gebetszeiten generell besser gefüllt, denn viele nehmen sich während der Fastenzeit vor, sich aus mehreren Gründen wieder auf die Religion zu konzentrieren. Deshalb lesen sie im Ramadan auch jeden Tag mindestens einen der 30 Teile (Juz’) des Qurans.

    Viele Familien freuen sich ganz besonders auf die zahlreichen ägyptischen Serien, die nur für die Zeit im Ramadan gemacht wurden. Es findet ein regelrechter Fernseh-Marathon statt. Alle Serien haben in etwa 30 Folgen, sodass sie genau so lange dauern, wie der Fastenmonat. Sie beginnen gleich mit dem Fastenbrechen und enden erst spät nachts. An den ersten Tagen wird dann häufig familienintern diskutiert, welche der vielen Serien man denn gemeinschaftlich sehen möchte. Meistens sind es Kommödien oder Geschichten, die eine längst vergangene Zeit dokumentieren.
    Außerdem besuchen die Ägypter zu dieser Zeit gerne auch Familienmitglieder und Bekannte, die man sonst eher selten sieht.

    Wer am nächsten Tag arbeiten muss, der schläft ein paar Stunden, ehe man wieder aufstehen muss, um noch rechtzeitig vor der Morgendämmerung zu essen und zu trinken. In Ägypten isst man zum sogenannten „Zuhuur“ gerne „Foul“ (eine braune Bohnenpaste mit Gewürzen und Tahinasoße), Joghurt, Käse und Eier. Es soll lange satt halten, aber nicht zu würzig und salzig sein. Außerdem wird viel Wasser getrunken, ehe ein neuer Fastentag beginnt.

    Verschlafen ist nicht!

    Wer geglaubt hat, dass man das Frühstück vor dem Fastentag einfach so verschläft, der irrt. Es gibt mindestens einen Mann, der während Ramadan durch die Straßen zieht und die Menschen mit lautem Trommeln und Rufen weckt und daran erinnert, dass sie essen und trinken sollen. Genannt wird er “Mesaharati, was so viel bedeutet wie der “Aufwecker”. Kinder finden das immer besonders witzig, wenn der Mann dabei Namen ruft und sie den ihren hören. Von vielen bekommt er für seinen “Dienst” ein Trinkgeld oder auch etwas zu Essen. Am letzten Tag geht er in seinem Viertel zu den Menschen, klingelt und bittet um Geld.

    Der Ramadan ist gewiss eine Zeit, die dem Menschen seine Grenzen aufzeigt. Es ist aber längst nicht so „schlimm“, wie man vielleicht glauben mag. Sicherlich schalten die Ägypter im Ramadan noch einen Gang runter, sind träger, etwas grantiger, hören früher auf zu arbeiten und schlafen gerne, wenn sie können. Aber es hilft auch, zu erinnern, wie es anderen Menschen geht, die nicht jeden Tag satt sind, es hilft, mit offeneren Augen durch die Straßen zu gehen und es hilft, sich besser auf seine Religion zu besinnen.

    2012.06.15 / no responses / Category: Essen, Land und Leute