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Der Ägyptenblog

Posts Tagged ‘Hochzeit’

  • Scheidung der koptisch-orthodoxen Christen in Ägypten

    Scheidung ist auch bei ägyptischen Christen keine Seltenheit (Foto by_Matthias Sylupp_pixelio.de)Scheidungen sind in der koptisch-orthodoxen Kirche verboten?! Nicht ganz, denn es gibt auch da Wege, eine Scheidung einzuleiten.
    Offiziell heißt es, Scheidungen sind nicht erlaubt bei den ägyptischen Christen, dennoch gibt es einige Sonderregelungen.

    • Ehebruch
    • der Tod

    Beim Ehebruch sind die Regeln nicht fern vom Islam, denn es müssen auch bei den Christen 2 unabhängige Zeugen den Ehebruch gesehen haben und in der Kirche bezeugen. Sie müssen einen Eid auf die Bibel schwören, somit wird der Ehebruch bewiesen und die Ehe kann geschieden werden. Der betrügende Partner jedoch hat nicht mehr das Recht auf eine Heirat. Der betrogene Partner kann eine neue Ehe eingehen, sofern er einen Partner findet.
    Eine Ehe kann ebenso durch Ehebruch geschieden werden, wenn der betrügende Partner seinen Ehebruch in der Kirche zugibt. Auch dann ist es ihm nicht mehr erlaubt eine neue Ehe einzugehen.
    Es wird niemals eine Statistik über die Scheidungsrate in der Kirche geben, denn es ist ein Tabuthema, wenn Ehen die vor Gott geschlossen werden, scheitern. Dennoch gibt es Fälle wo sogar der Ehebruch nur als Vorwand genutzt wird, um eine Scheidung zu erwirken, welche sich von beiden Seiten herbeigesehnt wird.

    Der Tod ist wie hier bei uns in Deutschland anzusehen. …bis auf dass der Tod euch scheidet. Ebenso wie hier in Deutschland, wird es in Ägypten gehandelt. Nach dem Ableben des Ehepartners ist der Weg in eine neue Ehe offen. Doch die wenigsten Christen in Ägypten gehen nach dem Tod des Partners eine neue Ehe ein.

    (Dieser Artikel wurde mir freundlicherweise von einer koptischen Freundin zur Verfügung gestellt. Danke dafür!)

    2012.06.20 / 1 response / Category: Land und Leute

  • Scheidung in Ägypten – Scheidungsrate auf westlichem Niveau

    Der Bund fürs Leben (Bild von Pixelio)Auf das Thema kam ich aufgrund einer Diskussion in einem Ägypten-Forum. Ich finde es interessant und teilweise traurig. Auf alle Fälle aber ist es interessant zu beobachten, dass sich die „Geschichten“ unabhängig von gesellschaftlicher Stellung und Schichten ständig wiederholen.
    Schon junge Menschen sind unter Druck, so schnell wie möglich zu heiraten. Das gilt vor allem für Frauen. Wenn sie die 25 Jahre erreichen, ohne zu heiraten, sind sie und ihre Familien schnell in Verruf. Die Scheidungsrate liegt bei stolzen 40 Prozent. Damit stehen die Ägypter den Deutschen in nichts nach. Erwähnenswert ist aber, dass sehr viele dieser Ehen schon im ersten Jahr in die Brüche gehen. Ein gesellschaftliches Phänomen?

    Drum prüfe, wer sich ewig bindet – ägyptische Hochzeit im Eiltempo

    In Ägypten ist es streng verboten, dass sich Paare vor der Ehe ganz alleine treffen, sich küssen oder gar zusammenleben. Das verbietet die Religion und die Gesellschaft. Natürlich ist es kein Garant für eine funktionierende Ehe, wenn ein Paar zuerst zusammenwohnt und nach einigen Monaten bis Jahren heiratet. So wird es im „Westen“ praktiziert und die Scheidungsrate ist nicht niedriger. Nein – der Westen darf sich mit seinem System ganz bestimmt auch nicht brüsten!
    Das andere Extrem erlebt man aber in Ägypten: Junge Menschen lernen sich vielleicht in der Uni kennen oder die Eltern stellen einen geeigneten Kandidaten vor. Man geht zwei, drei Mal in Begleitung von Anstandspersonen in einen Park oder ins Café und die Familien besuchen sich gegenseitig. Jeder zeigt seine Schokoladenseite und schon bald werden die Eckdaten für Verlobung und Hochzeit ausgehandelt. Der Druck der Gesellschaft ist gigantisch. Speziell junge Mädchen sollen schnell einen guten Mann finden, ihn heiraten und am Besten sofort schwanger werden.

    Worauf es in Ägypten ankommt

    Die Ägypter lieben ihre Fernsehserien. Sie handeln oft von wahrer Liebe, von Romantik und anderen Dingen, von denen junge Frauen eben so gerne träumen. Die Realität sieht dann meistens aber anders aus. Viele Familien haben falsche Prioritäten. Anstatt sich zu fragen, ob die jungen Menschen bereit sind, den Bund der Ehe einzugehen und ob sie überhaupt zusammenpassen, fragt man vielmehr, welche gesellschaftliche Stellung hat der Mann, wie viel verdient er, besitzt er ein Auto, eine Wohnung und was arbeitet er. Das Mädchen soll häuslich und relativ religiös sein, von einer „guten“ Familie kommen und darf gerne auch gebildet sein. Viele Mädchen, die ich kenne, studieren an der Uni, um Aussichten auf einen besseren Ehemann zu haben. Ihr „Wert“ auf dem Heiratsmarkt steigt quasi, auch wenn sie oft ansonsten nicht viel davon haben wird, denn nach der Hochzeit folgt die erste Schwangerschaft.

    Die fatalen Folgen der ägyptischen Blitzhochzeit

    Viele Paare kennen sich nur sehr oberflächlich und kurz, ehe sie heiraten. Die Liebe soll hinterher wachsen, was an sich kein schlechter Ansatz ist. Wenn es aber so gar keine Gemeinsamkeiten gibt, dann wird das schwierig.

    Junge Männer und Frauen haben eine gewisse Vorstellung, wie die Ehe sein soll. In den allermeisten Fällen sind beide gänzlich unerfahren, was Beziehungen angeht. So gibt es auch Ängste, die aber kaum angesprochen werden. Spätestens in der Hochzeitsnacht sitzt der Schock dann tief, wenn ein junges, sich fremdes Paar plötzlich allein ist, in der zuvor eigens für sie eingerichteten Wohnung. Von Null auf Hundert soll die zwischenmenschliche Beziehung funktionieren… in allen Bereichen. Meistens sind beide mehr oder weniger schon nach den Flitterwochen enttäuscht. Beide lassen allmählich ihre Masken fallen. Der Mann sieht die Frau vielleicht zum ersten Mal ungeschminkt und sie empfindet seinen Bauchansatz im Unterhemd weniger gutaussehend als zuvor im chicen Hemd.

    Vieles, worüber hinweggesehen wurde, wird nun endlich deutlich. Man beginnt sich über Kleinigkeiten zu ärgern, die man vorher nicht am anderen kannte oder auch nicht wahrnehmen wollte. An diesem Punkt scheitern sehr viele Ehen, denn nicht jeder ist in der Lage, die Situation als solche zu akzeptieren oder an ihr zu arbeiten. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Man gewöhnt sich aneinander oder man scheidet sich eben wieder.

    Keine Zeit zu zweit

    Erschwert wird dies noch durch den Druck, möglichst schnell schwanger zu werden. Wenn eine junge Ägypterin nicht bereits wenige Monate nach der Hochzeit schwanger ist, dann läuten in der Familie bereits die Alarmglocken. Es bleibt keine Zeit, sich kennenzulernen. Der Druck ist unheimlich groß und bei jedem Treffen mit Verwandten steht das Thema Kinder an erster Stelle. Ich kenne viele Fälle, da wird spätestens nach sechs Monaten bereits mit Hormonen nachgeholfen.

    Die lieben Schwiegermütter

    Sehr oft kommt es vor, dass das jungvermählte Paar mit der Mutter des Mannes zusammenleben muss. Das ist einerseits verständlich, denn so sieht das soziale Gefüge in Ägypten aus. Die Familie hält zusammen. Ein Leben lang. So gibt es kaum jemanden, der im Alter allein sein muss. Aber für eine junge Ehe kann das schwierig sein. Er bleibt weiterhin in der Rolle von Mamas kleinem Liebling und sie muss gleichzeitig die Rolle der guten Ehefrau und Schwiegertochter spielen. Wie schwierig es mit Schwiegermüttern sein kann, weiß jeder, der eine hat. Noch schwieriger ist das, wenn man mit ihr in einer oft kleinen Wohnung lebt und ständig mit Argusaugen beobachtet wird.

    Aber auch die ägyptischen Männer sind arm dran

    Keuschheit bis zur Ehe gilt für Männer genau so wie für Frauen. Deswegen lehrt der Islam, dass die Leute schon früh heiraten sollen, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen. Schwierig wird das wegen der ägyptischen Gesellschaft. Vom Mann wird erwartet, dass er einen guten Beruf hat, bestenfalls eine Wohnung besitzt, diese fast komplett auf einen Schlag ausstatten kann und genug Geld hat für die Hochzeit und das Gold für die Brautgabe. Nur selten gelingt das einem noch sehr jungen Mann. Da ist es schon fast normal, dass er über 30 wird, ehe er zum ersten Mal heiratet.

    Der Wandel der Zeit in Ägypten

    Scheidung ist im Islam kein Tabu. Dennoch gab es früher in Ägypten verhältnismäßig weniger Scheidungen als Heute. Das mag an geweckten und unerfüllten Erwartungen liegen, die es so früher noch nicht gab. Es mag aber auch daran liegen, dass auch junge Frauen heute etwas unabhängiger sind und wissen, was sie wollen. Die Gesellschaft bewegt sich, wenn auch sehr langsam.

    Interessante Artikel zu diesem Thema gibt es hier
    und hier.

    2012.06.17 / 4 responses / Category: Home, Land und Leute