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Der Ägyptenblog

Posts Tagged ‘Religion’

  • Moscheen in Ägypten: Die Sultan Hassan Moschee (Teil 4)

    Cairo-Moskee Sultan Hassan - Moskee ar-Rifai

    1363 wurde die Sultan Hassan Moschee fertiggestellt. In Auftrag wurde sie gegeben durch Sultan al-Nasir al-Hassan. Zur damaligen Zeit war dieses Bauwerk die weltweit größte Moschee, zu der auch vier Schulen (Madrasa) gehörten. Heute ist die Sultan Hassan Moschee eines der wichtigsten Monumente islamischer Baukunst in Kairo.

    Der Bauherr Sultan Hassan

    Sultan al-Nasir al-Hassan herrschte zwei Mal in Ägypten: 1347 -1351 n.Chr. und 1354-1361. Der Mameluken-Sultan war vermutlich erst elf Jahre alt, als er zum Sultan wurde. Von 1351 bis 1354 war er inhaftiert und widmete sich dem Studium. Auch 1361 wurde er eingesperrt und verstarb in Gefangenschaft. Deshalb erlebte er die Fertigstellung seiner Moschee nicht mehr.
    In den letzten Jahren seiner Herrschaft ließ der Sultan die bis dato größte Moschee der Welt errichten. Sie steht direkt gegenüber der Zitadelle und die höchsten Minarette überragten die Mauern der Festung. Fünf Jahre nach Baubeginn stürzte eines der Minarette ein und viele Menschen wurden verletzt oder getötet. Man sah dies als schlechtes Omen für den Moscheen-Stifter.

    Architektur der Sultan Hassan Moschee

    Die Grundfläche des asymmetrisch fünfeckigen Komplexes beträgt 7900 m². Einst waren vier Minarette geplant. Nachdem das Dritte einstürzte, wurde kein weiteres gebaut. Durch die Höhe von 36 Metern gleicht das Gebäude einer Festung.Zuvor befand sich an dieser Stelle ein Palast, der eingerissen wurde. Fundament und Baumaterial wurden vermutlich für den Bau der Moschee verwendet.

    Kairo Sultan Hassan Moschee BW 3

    Das große Eingangsportal erreicht man über eine Treppe. Der Vorraum ist reich dekoriert. Von dort aus gelangt man in einen Innenhof mit Brunnen. Dieser hat ein von acht Säulen getragenes Holzdach. Es gibt vier Gebetsräume, die zu den einzelnen Madrassen führen. Es gibt derer hier vier für die Rechtsschule der Schafiiten, Malikiten, Hanabaliten und der Hanafiten. Der Hauptiwan enthält eine Gebetsnische mit goldenem Schriftfries und mehrere große Bronzetüren. Eine davon befindet sich oben an der Gebetskanzlei.

    Kanzel und Gebetsnische Sultan Hassan Moschee

    Das Mausoleum ist durch eine Gittertüre zu erreichen. Sultan Hassan liegt hier nicht begraben, da seine Leiche nie gefunden wurde.

    Moscheen in Ägypten: Die Amr Ibn al-As Moschee (Teil 1)

    Ägyptische Moscheen: die Ibn Tulun Moschee (Teil 2)

    Moscheen in Ägypten: Die Al Azhar Moschee (Teil 3)

    Moscheen in Ägypten- die Mohammed Ali Moschee (Teil 5)

    2012.07.03 / 1 response / Category: Home, Sehenswürdigkeiten

  • Moscheen in Ägypten: Die Al Azhar Moschee (Teil 3)

    Al-Azhar 2006

    Im Zentrum des islamischen Stadtkerns befindet sich die Al Azhar Moschee. Sie wurde 970-972 erbaut. Der fatimidische Kalif Muezz li-Din Allah gab die Moschee in Auftrag. Sie war die erste Moschee, die gleich nach der Gründung Kairos erbaut wurde. Benannt wurde die Moschee nach der Tochter des Propheten Mohammed (s): Fatima al Zahraa. Zuvor hieß die Moschee „Jamaa al Qahira“: Moschee von Kairo.

    Architektur der Al Azhar Moschee

    Die Al Azhar Moschee vereinigt in ihrer Architektur die Geschichte von Kairo. Es wurden Materialien aus allen ägyptischen Epochen verwendet: von den alten Ägyptern, den griechischen und römischen Herrschern, der koptisch-christlichen Ära und der frühislamischen Zeit. Auch später wurde die Moschee erweitert, ergänzt und umgebaut und weist deshalb Einflüsse von ganz Ägypten und anderen Ländern auf.

    Cairo - Islamic district - Al-Azhar Mosque courtyard

    Ursprünglich bestand die Moschee aus einem fünfgängigen Gebetsraum und einem bescheidenen Innenhof. Viele Herrscher Ägyptens haben sich im Laufe der Jahre in der Al Azhar Moschee verewigt und sie durch zahlreiche Installationen und Kunstwerke erweitert. Es gibt hier eine einzigartige Mischung. So stammen die Kuppeln aus der osmanischen Zeit, die Tore stammen von den Ottomanen und die Minarette von den Mamelucken. Vieles an der Al Azhar Moschee ist nicht mehr ursprünglich, sondern wurde im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut oder renoviert.

    Cairo - Islamic district - Al-Azhar Mosque prayer hall

    Heute gibt es insgesamt fünf Minarette und viele verzierte Säulen. Zur Moschee führen sechs Eingänge. Das im 18. Jahrhundert erbaute Bab El Muzayini ist der Haupteingang. Der Name bedeutet „Tor des Friseurs, weil die Studenten hier die Haare geschnitten bekamen. Im Inneren befinden sich zum Beispiel die im Jahr 1340 als Bibliothek erbaute Aqbaughawiya Madrasa, die 1310 erbaute Taybarsiya Madrasa und ein 1469 erbautes Tor mit Minarett namens Qaitbay. Der Hof im Inneren misst 275 mal 112 Fuß. Die Halle wird von insgesamt dreihundert Marmorsäulen gestützt. In Richtung Osten ist die Gebetshalle gen Mekka ausgerichtet. Diese Gebetshalle ist größer als der Hof. Das Mihrab wurde mehrmals restauriert. Die Inschrift ist aber noch original erhalten. Dahinter befindet sich eine 1753 von Abd El Rahman Katkhuda hinzugefügte Halle.

    Cairo - Islamic district - Al Azhar Mosque and University - office

    Die Al Azhar Universität

    Die Al Azhar Universität gilt als intellektueller Mittelpunkt der islamischen Welt. Wenige Jahre nach dem Bau der Moschee wurde diese Universität gegründet. Sie ist weltweit die zweitälteste Madrasa. Bei ihrer Gründung wurden 35 Gelehrte eingestellt.
    Früher saßen die Schüler in der Moschee auf dem Boden um den Gelehrten, um dessen Ausführungen zu folgen. Das ist heute angesichts der Größe nicht mehr denkbar. Mittlerweile gibt es 16 000 Lehrkräfte, die ca. 370 000 Studenten (davon etwa 40% Frauen) unterrichten. Hier dürfen ausschließlich Muslime studieren und die Fakultäten sind so organisiert, dass Männer und Frauen getrennt teilnehmen. Viele Institute und Fakultäten sind in ganz Ägypten verstreut.

    PSM V68 D164 Inside the al azhar university in cairo

    Schwerpunkt der Al Azhar Universität waren lange Zeit die Theologie, die islamische Rechtslehre und die arabische Sprache. Während ihrer gesamten Geschichte zog sie viele Studenten aus aller Welt an, darunter auch viele Konvertiten.
    1961 wurde die Universität reformiert und so kamen zum Beispiel auch medizinische, technische, geschichtliche und pädagogische Fakultäten hinzu, wenngleich sich einige Gelehrte gegen die von Abdel Nasser in die Wege geleiteten Veränderungen wehrten. Mittlerweile untersteht die Universität dem Religionsministerium. Das Oberhaupt der Al Azhar Universität ist Scheich Ahmad Muhammad at Tayyib. Der 2010 in Saudi Arabien verstorbene Scheich Muhammad Sayyid Tantawi war sein Vorgänger.

    Cairo - Islamic district - Al Azhar Mosque and University - entrance to women only area

    Die Al Azhar Universität ist und bleibt DIE Autorität der sunnitischen Muslime. Die Schule genießt ein hohes Ansehen und die Entscheidungen der islamischen Gelehrten gelten für viele Muslime als Gesetz. Zu der Universität gehört außerdem ein Trainingszentrum für Imame, welches von der ägyptischen Regierung überwacht wird.

    Moscheen in Ägypten: Die Amr Ibn al-As Moschee (Teil 1)

    Ägyptische Moscheen: die Ibn Tulun Moschee (Teil 2)

    Moscheen in Ägypten: Die Sultan Hassan Moschee (Teil 4)

    Moscheen in Ägypten- die Mohammed Ali Moschee (Teil 5)

    2012.07.01 / no responses / Category: Home, Sehenswürdigkeiten

  • Bald ist wieder Ramadan in Ägypten

    (by)MM

    Der Countdown läuft, es dauert nur noch knapp einen Monat. Voraussichtlich vom 20. Juli bis 19. August findet im Jahr 2012 auch in Ägypten Ramadan statt. Schon jetzt ist bei den meisten Ägyptern die Vorfreude groß, denn Ramadan bedeutet, sich vermehrt auf seine Religion zu besinnen, zu teilen, Familie zu treffen, schätzen zu lernen, was man hat und nicht zuletzt: gutes Essen.

    Grundlegendes zum Ramadan

    Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf wichtigen Säulen des Islam. Täglich ab Morgendämmerung beginnt der Fastentag. Dann müssen Muslime auf Trinken, Essen, Zigaretten und Geschlechtsverkehr verzichten, bis die Sonne untergeht.
    Kinder fasten freiwillig je nach Alter. Ab Geschlechtsreife ist es dann aber auch für sie Pflicht.
    Wer krank ist, zu schwach oder sich auf einer Reise befindet, der muss nicht fasten. Frauen, die ihre Regel haben, schwanger sind oder im Wochenbett, sind ebenfalls befreit. Später müssen die verpassten Tage wieder nachgeholt werden- spätestens aber, bevor der nächste Ramadan beginnt.

    Ägyptische Genüsse an Ramadan

    Es wird der sechste Ramadan sein, den ich in Ägypten erlebe. Entgegen der westlichen Vorstellung, dass an diesen Abenden besonders viel gegessen und verschwenderisch mit Lebensmitteln umgegangen wird, habe ich eigentlich etwas anderes erlebt. Ich kenne es so, dass die normale Hauptmahlzeit auf die Zeit nach „Maghreb“ verlegt wird. Nach dem Fasten ist man kaum in der Lage, viel zu essen. Es bleibt also im normalen Rahmen, nur dass es eine Art Kompott oder Datteln zum Fastenbrechen gibt. Manche ägyptische Hausfrau neigt vielleicht dazu, ihren Gästen oder auch an den ersten Ramadantagen besonders viele Speisen aufzutragen. Aber was übrig bleibt, wird am nächsten Tag gegessen oder an ärmere Bekannte verteilt. Es verkommt also nichts.

    Als Vorspeise gibt es Datteln und in Wasser oder Milch eingelegte Trockenfrüchte. Besonders wichtig sind die verschiedenen Säfte, die eine ägyptische Hausfrau im Ramadan serviert: zum Beispiel „Tamarind“, „Karkadee“, Fruchtsäfte oder Aprikosensaft.
    Als Hauptspeise gibt es Fleisch, Fisch oder Hähnchen und dazu meistens Reis und Brot. Als Gemüsebeilage wird gerne „Bsilla“ (Erbsen mit Möhren und Kartoffeln in Tomatensoße), „Bamya“ (Okra) oder „Molokhaya“ gegessen. Es gibt köstliche gefüllte Zucchini, Auberginen, Paprika und Kohlblätter, genannt „Mahshi“ und in vielen Familien gibt es mindestens einmal im Ramadan gefüllte Tauben.

    Was in Ägypten zu Ramadan niemals fehlen darf, sind die Desserts, die gerne spätnachts noch gegessen werden. Da gibt es sehr süßes „Goulash“, „Kunafa“, „Ata’if“ und Basboussa, aber auch Pudding, Wackelpudding, „Malabaya“ und einfache Kuchen sind sehr beliebt. Viele Desserts enthalten Nüsse, die sonst unterm Jahr eher selten gekauft werden.

    Ägyptisches Abendprogramm im Ramadan

    Nach dem Fastenbrechen gehen die meisten Männer und viele Frauen in die Moschee, um in einer großen Gemeinschaft das „Tarawi-Gebet“ zu beten. Im Ramadan sind die Moscheen zu den Gebetszeiten generell besser gefüllt, denn viele nehmen sich während der Fastenzeit vor, sich aus mehreren Gründen wieder auf die Religion zu konzentrieren. Deshalb lesen sie im Ramadan auch jeden Tag mindestens einen der 30 Teile (Juz’) des Qurans.

    Viele Familien freuen sich ganz besonders auf die zahlreichen ägyptischen Serien, die nur für die Zeit im Ramadan gemacht wurden. Es findet ein regelrechter Fernseh-Marathon statt. Alle Serien haben in etwa 30 Folgen, sodass sie genau so lange dauern, wie der Fastenmonat. Sie beginnen gleich mit dem Fastenbrechen und enden erst spät nachts. An den ersten Tagen wird dann häufig familienintern diskutiert, welche der vielen Serien man denn gemeinschaftlich sehen möchte. Meistens sind es Kommödien oder Geschichten, die eine längst vergangene Zeit dokumentieren.
    Außerdem besuchen die Ägypter zu dieser Zeit gerne auch Familienmitglieder und Bekannte, die man sonst eher selten sieht.

    Wer am nächsten Tag arbeiten muss, der schläft ein paar Stunden, ehe man wieder aufstehen muss, um noch rechtzeitig vor der Morgendämmerung zu essen und zu trinken. In Ägypten isst man zum sogenannten „Zuhuur“ gerne „Foul“ (eine braune Bohnenpaste mit Gewürzen und Tahinasoße), Joghurt, Käse und Eier. Es soll lange satt halten, aber nicht zu würzig und salzig sein. Außerdem wird viel Wasser getrunken, ehe ein neuer Fastentag beginnt.

    Verschlafen ist nicht!

    Wer geglaubt hat, dass man das Frühstück vor dem Fastentag einfach so verschläft, der irrt. Es gibt mindestens einen Mann, der während Ramadan durch die Straßen zieht und die Menschen mit lautem Trommeln und Rufen weckt und daran erinnert, dass sie essen und trinken sollen. Genannt wird er “Mesaharati, was so viel bedeutet wie der “Aufwecker”. Kinder finden das immer besonders witzig, wenn der Mann dabei Namen ruft und sie den ihren hören. Von vielen bekommt er für seinen “Dienst” ein Trinkgeld oder auch etwas zu Essen. Am letzten Tag geht er in seinem Viertel zu den Menschen, klingelt und bittet um Geld.

    Der Ramadan ist gewiss eine Zeit, die dem Menschen seine Grenzen aufzeigt. Es ist aber längst nicht so „schlimm“, wie man vielleicht glauben mag. Sicherlich schalten die Ägypter im Ramadan noch einen Gang runter, sind träger, etwas grantiger, hören früher auf zu arbeiten und schlafen gerne, wenn sie können. Aber es hilft auch, zu erinnern, wie es anderen Menschen geht, die nicht jeden Tag satt sind, es hilft, mit offeneren Augen durch die Straßen zu gehen und es hilft, sich besser auf seine Religion zu besinnen.

    2012.06.15 / no responses / Category: Essen, Land und Leute